Die ersten OWUL Fotos

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OWUL, Lesebühne: Daniel Morgenroth, Thomas Manegold, Dirk Bernemann
(Bilder: Marion Alexa Müller)

 

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Dirk Bernemann feat. Daniel Morgenroth – Im Kapiertal

OWUL Gründung

„Ohne Wenn und Laber“

Die Autoren Dirk Bernemann und Thomas Manegold haben zusammen mit dem Musiker Daniel Morgenroth eine Lesebühne gegründet. Sie heißt OWUL. OWUL wird monatlich stattfinden und zu jedem Termin wird (mindestens) ein Gast eingeladen. Am 25.11.2012 ab 20 Uhr  wird OWUL das erste Mal zu Gast in der  TheArter Gallery Berlin Lichtenberg sein.

Thomas Manegold: Stammkneipenmonolog 2

Don Manegold
Don Manegold

Er winkte, als ich zur Tür reinkam. Ich war übermüdet, unterzuckert und voll auf Koffein. Er auf dem Sprung in den Abgrund der Normalität, der sich gerade vor ihm auftat und weswegen er mich in die Kneipe bestellt hatte. So zum Quatschen, von Kollege zu Kollege.
„Du machst das doch schon länger“
„Was meinst du?“
„Na das mit dem Schreiben und Auftreten:“
„Kann sein, ja, aber auf Länge kommst doch nicht an.“
Mein Gegenüber verstand den platten Witz nicht, mit dem ich mich auf unsere gemeinsame Umgebung eingrooven wollte. Der schlaksige Mann um die 30 sah mich fragend an und ich wusste, dass ich bei ihm mit subtiler Ironie nicht weiterkommen würde. Ich kannte ihn nur flüchtig, wusste nur, dass er  sein erstes Buch geschrieben hatte, das keiner kaufte. Und damit ging es ihm wie vielen Menschen auf dieser Erde.
„Was kann ich tun…“
„Na, schreiben und auftreten.“
„Das tue ich doch schon, aber mich lässt niemand“
„Was denn nun. Machst du es oder lässt dich niemand.“
Ich hatte Regel Nr. 1 vergessen: Frage zu Beginn eines Gesprächs immer gleich nach, ob Du das Problem lösen sollst oder ob nur darüber geredet werden soll.
Er meinte, dass er es ja wolle, das Autorenleben und den Erfolg, und er wäre bereit, dafür auch etwas zu tun, er wüsste eben nur nicht, was. Das erste, was er in seiner Heimatstadt gemacht habe, war, die Zusammenarbeit mit anderen Autoren zu suchen. Eine gemeinsame Plattform hochziehen. Ich musste unwillkürlich an die eine Plattform denken, die BP gehörte und die vor ein paar Monaten im Golf von Mexiko brannte, winkte dem Barkeeper und bestellte erstmal einen Kaffee. Schwarz.
„Also. Regel Nummer 2: Umgebe dich als unbekannter Autor mit anderen Autoren, die auch keine Leser haben, dann…
Er nickte bestätigend. So wie eben auch Protagonisten in Büchern nicken müssen, wenn sie gerade nicht reden dürfen und keine Zigarette parat haben.
…dann geht’s auf jeden Fall schief, aber das hab ich Dir schon am Telefon erzählt. Kooperationen mit anderen Autoren ist ein Luxus für Schreiber, die genug Leser haben.“
Eine faltige Hand, die aus einem manschettenbeknopften Hemdsärmel ragte, stellte mir den dampfenden Kaffee vor die Nase. Auch ich nickte bestätigend und predigte weiter:  „Kümmere dich nicht um die anderen Erfolglosen, sondern kümmere dich um Deine Leser!“
Das schien ihm nicht zu gefallen. Denn er sagte die berühmten zwei Worte, die ich gar nicht leiden kann: „Ja, aber…“
Ja, aber… ist weniger als ein Füllwort, es ist der Furz der nicht stinkt, der Tropfen auf den kalten Klostein! Ja, aber ist etwas für zwanghaft Harmoniebedürftige. Ja, aber ist eine Lüge in Verbindung mit einem Komma und der Aufforderung, zuzuschlagen.  Ja, aber ist der Grund dafür, dass diese Welt in einem Wischiwaschi-Chaos versinkt und wir es niemals bis zum Mars schaffen werden. Es gibt eine Abkürzung für Ja, aber… und die beginnt mit und hört mit n auf.
Der Jungautor hatte offenbar vor, den Sack zuzumachen. Denn er  sagte nicht nur „Ja, aber…“ sondern die einzige Wortansammlung, die diese Unsäglichkeit an Unsäglichkeit zu übertreffen vermag:  „Ja, aber… das… Problem… ist…“
Nein, nein, nein, das geht sowas von gar nicht, wie kann er sowas sagen! Man kann nur einen einzigen Satz mit „Das Problem…“  am Satzanfang bilden und der geht immer und ausschließlich mit „bin“ weiter, also mit der 1. Person Singular von sein.   Nur ich, ich darf die zweite Person Singular von sein verwenden Das Problem bist … aber niemals  darf man das b vergessen.  Regel Nummer 25: Nach Das Problem … kommt immer ein B! immer immer immer.  Und niemals ein I. Das Problem bin ich. Das Problem bist Du. Und dann kann man es einfach ausmerzen. Meinetwegen auch mit Waffengewalt.

Weiterlesen „Thomas Manegold: Stammkneipenmonolog 2“

Thomas Manegold

Thomas Manegold wurde im sowjetisch besetzten Thüringer Wald geboren. Seitdem kämpfte er sich in immer dichter besiedelte Gebiete vor. 2004 ist er in Berlin angekommen. Weils nicht dichter geht, wird er hier bleiben.
Unterwegs hat er viel über Musik geschrieben, anderen Menschen Musik vorgespielt, in WGs gewohnt, selber Musik gemacht, Alkohol verkauft und ein paar Bücher geschrieben. Aus denen liest er manchmal vor. Er ist bekennender Workaholic und weil das unheilbar ist, arbeitet er rund um die Uhr,  für OWUL, Vision und Wahn – und für den Periplaneta Verlag.

Dirk Bernemann

Dirk Bernemann
Dirk Bernemann

Dirk Bernemann wurde an einem kalten Dezembernachmittag 1975 als Tochter eines Kriegsveteranen und einer Kosmonautin im westlichen Münsterland geboren.Das Leben war ab da der absolute Ernstfall. Zwischendurch passierte eine Menge und 2005 erschien sein erstes Buch „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“. Wenn der Kunstbetrieb eine Firma ist, will Dirk Bernemann nicht ihr Angestellter sein. Es folgten weitere Bücher und ein paar Gewissheiten. Das Leben blieb weiter ernst.

Dirk Bernemanns Blog

Daniel Morgenroth

Daniel Morgenroth
Daniel Morgenroth

Daniel Morgenroth wurde gleichzeitig mit dem Punkrock erfunden. Ob das etwas zu bedeuten hat, müssen andere entscheiden.
Immerhin verschwendete er erfolgreich seine Jugend und begann recht spät damit, seine ersten Songs zu schreiben. Sein Ziel ist es seitdem, der älteste Newcomer Deutschlands zu werden. Mit Zwanzig berühmt werden kann ja jeder. Inzwischen hat er zwei Alben und drei EPs (teilweise mit Seitenprojekten) veröffentlicht und spielt live, solange die GEMA das noch zulässt. Musikalisch recht seine Bandbreite von Liedermacher-Styles zu Riff-Rock über Reggae bis hin zu Rap. Ein Synthie-Pop-Album sollte irgendwann auch noch drin sein. Würde man ihm eine Knarre geben, er wüsste nicht, ob er zuerst Tim Bendzko oder Anshu Jain erschießen sollte.

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