1. OWUL- Teaser

Der Videobeweis: Textwerk, Gesang, Unfug und Propaganda. Kamera und Schnitt: Marion Alexa Müller

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Dirk Bernemann: Meine Lesebühne ist ein Gewehr (Manifest)

OWUL1
OWUL 1

Dies ist unsere Lesebühne.
Es gibt viele ähnliche, aber dieses ist die unsere.
Unsere Lesebühne ist unser bester Freund.
Sie ist unser Leben.
Wir müssen sie meistern, so wie wir unsere Leben meistern müssen.
Unsere Lesebühne ist ohne uns nutzlos.
Ohne meine Lesebühne bin ich nutzlos.
Wir müssen unsere Lesebühnentexte richtig abfeuern.
Wir müssen besser lesen als unser Feind, der versucht, uns zu töten.
Wir müssen ihn kaputtlesen, bevor er uns kaputtliest. Das werden wir …
Unsere Lesebühne und ich wissen, was in diesem Krieg zählt.
Es sind nicht die Worte, die wir abschießen, nicht das Geräusch unseres Wortschwalls, noch die Grammatik, die wir verwenden.
Wir wissen, dass es die Treffer sind, die zählen. Wir werden treffen…
Unsere Lesebühne ist menschlich, so wie wir, weil sie unser Leben ist. Daher werden wir sie erfahren wie eine Schwester.
Wir werden ihre Schwächen, ihre Stärken, ihre Mitglieder, ihre Gäste und ihren Verlauf kennen lernen.
Wir werden sie immer schützen gegen das Wüten der Poetry Slammer oder Schäden der Hochkultur.
Wir werden unsere Lesebühne sauber und bereit halten, so wie auch wir sauber und bereit sind.
Wir werden Teile voneinander werden. Das werden wir… Diesen Schwur leisten wir vor uns allen.
Unsere Lesebühne und ich sind Verteidiger der Sprachkultur.
Wir sind die Meister unserer Feinde.
Wir sind die Retter unserer Leben.
So sei es, bis es keinen Feind mehr gibt, sondern Frieden!

Konrad Endler

Stargast im Dezember: Konrad Endler

Konrad Endler, Jahrgang 1971, ist Träger des Sportabzeichens in Bronze. Nach seiner Maurerlehre arbeitete er mehr als ein Jahrzehnt auf Baustellen und in Fabriken, bis er sich entschied, Schriftsteller zu werden. Er ist Mitglied der legendären Berliner Lesebühne „Die Surfpoeten“, sowie der Potsdamer „Texte im Untergrund“. Er erstellte unzählige Radiofeatures für die „Show Royale“ auf Radio Eins. Nebenher macht er Punkrock, elektronische Musik, veröffentlichte seit Anfang der 90er Jahre mehrere Langspielplatten. Im Herbst 2012 erschien sein Buch mit CD “Männer von Jetzt”.

Daniel Morgenroth „Halt dein Maul und halt mich fest“

Daniel Morgenroth Musikvideo mit Melissa Lee und Tal De Vil in den Hauptrollen. Aus dem Album „Zwischen mir und der Welt liegen Welten“
• Regie & Schnitt:Dominik Balkow, Kamera: Henryk Lemm
• Licht: Felix Berlin (http://www.blue-media.de)
• Maske: Melissa Lee, Grafiken: Sabine Ortlepp

Stargast im November: Alex Gräbeldinger

Alex Gräbeldinger
Alex Gräbeldinger

Alex Gräbeldinger – „Punk, Opfer, Philosoph, Wahnsinniger, Vollidiot“. Seit Mitte der Nullerjahre schreibt er sich als Kolumnist des Ox-Fanzines um Kopf und Kragen. Seine autobiografischen Geschichten handeln von Schlafentzug, Rauschgift- und Irrenhauserfahrungen; von Begegnungen mit der großen Liebe, den Hells Angels und Siegfrieds und Roys weißen Tigern. Eine erste Bestandsaufnahme seiner Verfehlungen erschien 2008 in Buchform unter dem Titel „Ein bekotztes Feinrippunterhemd ist der Dresscode zu meinem Lebensgefühl“. 2011 folgte die Fortsetzung „Bald ist Weltuntergang, bitte weitersagen!“, sowie im September 2012 das Hörbuch „Die Hölle ist hoffentlich ein warmes Plätzchen, um sich zu erholen“, gelesen von Schauspieler Oliver Korittke. Alex Gräbeldingers Bücher sind im Bonner Kopfnuss Verlag erschienen.

www.alex-graebeldinger.de

Die ersten OWUL Fotos

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OWUL, Lesebühne: Daniel Morgenroth, Thomas Manegold, Dirk Bernemann
(Bilder: Marion Alexa Müller)

 

OWUL Gründung

„Ohne Wenn und Laber“

Die Autoren Dirk Bernemann und Thomas Manegold haben zusammen mit dem Musiker Daniel Morgenroth eine Lesebühne gegründet. Sie heißt OWUL. OWUL wird monatlich stattfinden und zu jedem Termin wird (mindestens) ein Gast eingeladen. Am 25.11.2012 ab 20 Uhr  wird OWUL das erste Mal zu Gast in der  TheArter Gallery Berlin Lichtenberg sein.

Thomas Manegold: Stammkneipenmonolog 2

Don Manegold
Don Manegold

Er winkte, als ich zur Tür reinkam. Ich war übermüdet, unterzuckert und voll auf Koffein. Er auf dem Sprung in den Abgrund der Normalität, der sich gerade vor ihm auftat und weswegen er mich in die Kneipe bestellt hatte. So zum Quatschen, von Kollege zu Kollege.
„Du machst das doch schon länger“
„Was meinst du?“
„Na das mit dem Schreiben und Auftreten:“
„Kann sein, ja, aber auf Länge kommst doch nicht an.“
Mein Gegenüber verstand den platten Witz nicht, mit dem ich mich auf unsere gemeinsame Umgebung eingrooven wollte. Der schlaksige Mann um die 30 sah mich fragend an und ich wusste, dass ich bei ihm mit subtiler Ironie nicht weiterkommen würde. Ich kannte ihn nur flüchtig, wusste nur, dass er  sein erstes Buch geschrieben hatte, das keiner kaufte. Und damit ging es ihm wie vielen Menschen auf dieser Erde.
„Was kann ich tun…“
„Na, schreiben und auftreten.“
„Das tue ich doch schon, aber mich lässt niemand“
„Was denn nun. Machst du es oder lässt dich niemand.“
Ich hatte Regel Nr. 1 vergessen: Frage zu Beginn eines Gesprächs immer gleich nach, ob Du das Problem lösen sollst oder ob nur darüber geredet werden soll.
Er meinte, dass er es ja wolle, das Autorenleben und den Erfolg, und er wäre bereit, dafür auch etwas zu tun, er wüsste eben nur nicht, was. Das erste, was er in seiner Heimatstadt gemacht habe, war, die Zusammenarbeit mit anderen Autoren zu suchen. Eine gemeinsame Plattform hochziehen. Ich musste unwillkürlich an die eine Plattform denken, die BP gehörte und die vor ein paar Monaten im Golf von Mexiko brannte, winkte dem Barkeeper und bestellte erstmal einen Kaffee. Schwarz.
„Also. Regel Nummer 2: Umgebe dich als unbekannter Autor mit anderen Autoren, die auch keine Leser haben, dann…
Er nickte bestätigend. So wie eben auch Protagonisten in Büchern nicken müssen, wenn sie gerade nicht reden dürfen und keine Zigarette parat haben.
…dann geht’s auf jeden Fall schief, aber das hab ich Dir schon am Telefon erzählt. Kooperationen mit anderen Autoren ist ein Luxus für Schreiber, die genug Leser haben.“
Eine faltige Hand, die aus einem manschettenbeknopften Hemdsärmel ragte, stellte mir den dampfenden Kaffee vor die Nase. Auch ich nickte bestätigend und predigte weiter:  „Kümmere dich nicht um die anderen Erfolglosen, sondern kümmere dich um Deine Leser!“
Das schien ihm nicht zu gefallen. Denn er sagte die berühmten zwei Worte, die ich gar nicht leiden kann: „Ja, aber…“
Ja, aber… ist weniger als ein Füllwort, es ist der Furz der nicht stinkt, der Tropfen auf den kalten Klostein! Ja, aber ist etwas für zwanghaft Harmoniebedürftige. Ja, aber ist eine Lüge in Verbindung mit einem Komma und der Aufforderung, zuzuschlagen.  Ja, aber ist der Grund dafür, dass diese Welt in einem Wischiwaschi-Chaos versinkt und wir es niemals bis zum Mars schaffen werden. Es gibt eine Abkürzung für Ja, aber… und die beginnt mit und hört mit n auf.
Der Jungautor hatte offenbar vor, den Sack zuzumachen. Denn er  sagte nicht nur „Ja, aber…“ sondern die einzige Wortansammlung, die diese Unsäglichkeit an Unsäglichkeit zu übertreffen vermag:  „Ja, aber… das… Problem… ist…“
Nein, nein, nein, das geht sowas von gar nicht, wie kann er sowas sagen! Man kann nur einen einzigen Satz mit „Das Problem…“  am Satzanfang bilden und der geht immer und ausschließlich mit „bin“ weiter, also mit der 1. Person Singular von sein.   Nur ich, ich darf die zweite Person Singular von sein verwenden Das Problem bist … aber niemals  darf man das b vergessen.  Regel Nummer 25: Nach Das Problem … kommt immer ein B! immer immer immer.  Und niemals ein I. Das Problem bin ich. Das Problem bist Du. Und dann kann man es einfach ausmerzen. Meinetwegen auch mit Waffengewalt.

Weiterlesen „Thomas Manegold: Stammkneipenmonolog 2“

Thomas Manegold

Thomas Manegold wurde im sowjetisch besetzten Thüringer Wald geboren. Seitdem kämpfte er sich in immer dichter besiedelte Gebiete vor. 2004 ist er in Berlin angekommen. Weils nicht dichter geht, wird er hier bleiben.
Unterwegs hat er viel über Musik geschrieben, anderen Menschen Musik vorgespielt, in WGs gewohnt, selber Musik gemacht, Alkohol verkauft und ein paar Bücher geschrieben. Aus denen liest er manchmal vor. Er ist bekennender Workaholic und weil das unheilbar ist, arbeitet er rund um die Uhr,  für OWUL, Vision und Wahn – und für den Periplaneta Verlag.